Taucha: Milbradt referiert über Finanz- und Wirtschaftskrise

Die Stühle wurden knapp bei der Veranstaltung, zu der die MIT Leipzig und die CDU Taucha für den 23. Juni 2009 in den Ratskeller nach Taucha eingeladen hatten. Grund dafür war, neben dem spannenden Thema, vor allem der Referent des Abends. Kein geringerer als Georg Milbradt hatte sich für diesen Abend angesagt um über die Finanz- und Wirtschaftskrise zu sprechen. "Vielen Dank, dass Sie zu diesem Thema so offen, ehrlich Stellung bezogen haben.", diese Worte sollte der ehemalige Sächsische Ministerpräsident im Verlaufe des Abends oft zu hören bekommen. Mit einer so großen Kulisse hatte wohl auch Antje Brumm kaum gerechnet. Als die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Taucha schon Gäste und Referenten begrüßte, strömten immer noch interessierte Bürger aus Taucha, Leipzig und Umgebung in die Lokalität.

Georg Milbradt war als ehemaliger Wirtschaftsprofessor sichtlich in seinem Element. Er erläuterte sehr anschaulich Beginn und Verlauf der Weltwirtschaftskrise. In seiner "Anamnese", wie er es selbst nennt, machte er deutlich, dass eine Vielzahl von Gründen, insbesondere aber die Immobilienkrise der USA, in die Katastrophe geführt haben. Wer sich bislang gefragt hatte, wie es denn zu so vielen "faulen" Immobilienkrediten kommen konnte, für den war die Erklärung höchst aufschlussreich. Die damalige Clinton-Regierung hatte in den USA ein Gesetz erlassen, das quasi einen Rechtsanspruch für jedermann auf einen Immobilienkredit ermöglichte. Fortan konnte jeder seine Immobilie zu 100 Prozent finanzieren und darüber hinaus sogar noch die Wertsteigerungen beleihen. Der Schuldner haftete, ähnlich wie bei einer GmbH in Deutschland, nur begrenzt. Das Risiko trugen allein die Banken. Diese Tatsache entpuppte sich im weiteren Verlauf als ein ganz entscheidender Faktor, der die Krise begünstigte. Im nächsten Schritt, der "Diagnose", skizzierte der ehemalige Finanzminister Milbradt den jetzigen Stand sowie die weltweiten Wechselwirkungen der Finanzkrise.


In seiner gewohnt sachlichen Art verdeutlichte er den gespannten Zuhörern, dass in Deutschland die Krise erst noch bevorstehe - und zwar erst im kommenden, möglicherweise auch noch im darauf folgenden Jahr.
"Die Rettung der Banken," so Milbradt, "war jedenfalls genau der richtige Schritt. Andernfalls hätten alle, insbesondere die Sparer, ihr Geld verloren."

Demgegenüber bezeichnete Milbradt die Rettung von Opel als Sündenfall. "Natürlich müssen Strukturkrisen künftig behoben werden - allerdings nicht mit Steuergeldern. Opel hat schon lange vor der Wirtschaftskrise keine Autos mehr verkauft. Und die Firma Quelle kommt scheinbar mit dem Internet nicht zurecht. Sie verteilt immer noch dicke Kataloge in die Briefkästen. Wenn Betriebe so miserabel aufgestellt sind, hilft es auch nichts, wenn wir jeden Arbeitsplatz mit 300.000 Euro subventionieren, wie bei Opel geschehen. Dann können wir das Geld auch gleich zum Fenster hinaus werfen." so der Finanz- und Wirtschaftsexperte weiter in seiner schonungslosen Analyse. Nach Milbradt´s "Anamnese" und "Diagnose" der Krise nun zur "Therapie" für Sachsen befragt, machte der Landtagsabgeordnete Rolf Seidel deutlich, dass der Freistaat Sachsen nach wie vor auf seine solide Finanz- und Wirtschaftspolitik setzt. "Wir haben mit Verabschiedung des aktuellen Doppelhaushaltes die Schuldenbremse in Sachsen durchgesetzt, um die nachfolgenden Generationen nicht mit einem Schuldenberg zu belasten. Sachsen wird in ein paar Jahren das Bundesland mit der geringsten Verschuldung in ganz Deutschland sein. Wir sind im Vergleich zu anderen Bundesländern gut gewappnet, die Krise zu meistern. Allerdings müssen wir den begonnenen Weg auch fortsetzen. ", sagte Rolf Seidel.

Jörg Lorentz