Wie weiter mit dem "Kombinat Leipzig"?
Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu
der die MIT Leipzig ihre Mitglieder für den 13. April 2010 in den „Specks Hof“,
das neue Refugium der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft GmbH
(LVV) eingeladen hatte.
Nachdem Rolf Seidel,
Landtagsabgeordneter und stellvertretender MIT-Kreisvorsitzender, bei der
Begrüßung die grundsätzlich kritische Sicht des Leipziger Mittelstandes auf das
Leipziger Firmengeflecht klar zum Ausdruck gebracht hatte, wurde gleich
eingangs deutlich, dass sich die LVV-Geschäftsführung der Frage nach einer
Umstrukturierung des Leipziger Konzerns völlig anders nähert. Während der Mittelstand die wirtschaftliche
Betätigung von Kommunen generell hinterfragt, gingen die beiden
LVV-Geschäftsführer Josef Rahmen und Detlev Kruse erwartungsgemäß kaum näher auf
eine Privatisierung von Teilen des LVV-Konzerns hinsichtlich einer möglichen
Stärkung des freien Wettbewerbes in der Stadt Leipzig ein. Vielmehr sei hier die
Politik, in diesem Falle der Gesellschafter der LVV, also die Stadt Leipzig
gefragt, Grundsatzentscheidungen zu treffen. Darüber hinaus sei der Gesellschafter
in der Pflicht, klare Ziele und Rahmenbedingungen für die Kommunalen
Unternehmen vorzugeben. Dies sei in Leipzig in der Vergangenheit stark vernachlässigt
worden. „Die Geschäftsführer der Tochterunternehmen der LVV haben die
bestehenden Freiräume nach ihrem Ermessen genutzt, was in der Konsequenz zu
„Eruptionen“, nicht zuletzt bei den Kommunalen Wasserwerken Leipzig (KWL),
geführt hat.“, sagte Josef Rahmen, Vorsitzender der Geschäftsführung der LVV
GmbH.
„Die neue Konzernstrategie
ist darauf angelegt, dass wir uns durch Umstrukturierung wieder auf das
Kerngeschäft konzentrieren.“, so Rahmen weiter. Laut Detlev Kruse, Kaufmännischer
Geschäftsführer der LVV GmbH, habe sich die LVV in den vergangenen beiden
Jahren bereits von acht Beteiligungen getrennt. Sechs weitere habe man bereits
im Blick.
Während die LVV GmbH vor
allem aus betriebswirtschaftlichen Gründen auf eine Umstrukturierung setzt, ist
diese aus Sicht der MIT zum einen deshalb notwendig, den Durchgriff des
Gesellschafters auf die gewinnbringenden Unternehmen der zweiten und dritten
Ebene des LVV-Konzerns sicherzustellen. Bisher sei das leider nicht möglich
gewesen, wie ebenfalls die bittere Erfahrung mit dem finanziellen Desaster der
KWL gezeigt habe. Zum anderen, so führte Rolf Seidel aus, sei durch das
Sächsische Gemeindewirtschaftsrecht eindeutig geregelt, dass eine Stadt ein
wirtschaftliches Unternehmen nur betreiben dürfe, wenn der Zweck nicht besser
und wirtschaftlicher durch einen private Dritten erfüllt werden kann. „Die
Stadt Leipzig verstößt hiergegen sicherlich auch deshalb, weil sich innerhalb
des Stadtkonzernes, neben den eigentlichen Schulden der Stadt Leipzig in Höhe
von etwa einer Milliarde Euro, die restlichen Schulden der Stadt in Höhe von
einer weiteren Milliarde Euro bequem verstecken lassen.“, sagte Rolf Seidel.
Ein wichtiges Ziel der Umstrukturierung
müsse es sein, dass sich die LVV künftig wieder auf die Stadt und die Region
Leipzig konzentriert, darüber war man sich am Ende des Abends einig. Vorgänge
wie die bei der KWL müssen künftig ausgeschlossen werden, um Schaden von der
Stadt Leipzig und ihren Bürgern abzuwenden.
Jörg Lorentz
14.04.2010